Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V.

Hingucker

Zur heutigen Entscheidung des baden-württembergischen Landeskabinetts, eine einzügige Internatsschule für Kinder mit IQ 130 einzurichten, nimmt der LANDESVERBAND HOCHBEGABUNG BADEN-WÜRTTEMBERG e.V. wie folgt Stellung:

10.12.2002

Mit dem Beschluss, ein staatliches Gymnasium für hoch begabte Kinder einzurichten, hat die Landesregierung ein Eigentor geschossen. Mit der Verwendung des Begriffes ‚Hochbegabung' knüpft sie das Niveau und den Anspruch besonderer schulischer Förderung an den Schwellenwert IQ130.

Gleichzeitig ist dies ein Eingeständnis, dass die ehemals für Gymnasien typische Schülerschaft mit hohem IQ im bestehenden Schulsystem nicht mehr adäquat ausgebildet und gefördert wird. Betroffen sind von diesem Mangel aber nicht nur jene 30 Schülerinnen und Schüler der geplanten Eingangsklasse für die einzügige Sonderschule, sondern insgesamt drei Prozent aller Grundschüler in Baden-Württemberg, nämlich 13 740 Kinder, bzw. insgesamt 36 450 Kinder und Jugendliche im gesamten Schulwesen. Was aber 30 Kindern per Kabinettsbeschluss zugestanden wird - sollte es sich tatsächlich um Unterrichtsprogramme mit höheren intellektuellen Anforderungen handeln - darauf erlangen nun auch die übrigen Unterforderten Rechtsanspruch.

Des Kaisers neue Schule als opportune Tages- und Alibilösung lässt das tatsächliche und drängendste Problem hoch begabter Kinder in Baden-Württemberg allerdings weiterhin ohne Langzeit-Konzept: Die zunehmende Zahl der unter Zehnjährigen, die nach Früheinschulung und nicht selten mit dreijähriger Grundschulzeit auf darauf unvorbereitete Gymnasien zukommt und diese auch in jungem Alter verläßt. Wenn die neue Institution aber eher für verhaltensauffällige Kinder und für solche mit Lernschwierigkeiten geplant ist, worauf die Internatsvergabe an einen privaten Träger schliessen lässt, so sollte dies auch offen und unter Bekanntgabe der therapeutischen Richtlinien zugegeben werden. Die weit überwiegende Mehrheit hoch begabter Kinder in Baden-Württemberg ist ebenso weit davon entfernt, solche Maßnahmen in Anspruch nehmen zu müssen. Ihr Anteil behandlungsbedürftiger Kinder ist nicht höher als bei Kindern in anderen IQ-Bereichen.

Theresa Müller

LANDESVERBAND HOCHBEGABUNG BADEN-WÜRTTEMBERG e.V.

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