Vor genau zehn Jahren wurde die begabungsdiagnostische Beratungsstelle BRAIN an der Philipps-Universität Marburg gegründet: Als Anlaufstelle für Eltern, Lehrkräfte und Psychologen, die spezielle Fragen im Zusammenhang mit „intellektueller Hochbegabung“ haben, ist sie die einzige neutrale Beratungsstelle im Bundesland Hessen.
„Der Vater von BRAIN ist Prof. Dr. Detlef H. Rost“, lobte die Vizepräsidentin Prof. Dr. Babette Simon bei der Festveranstaltung zum 10-jährigen Jubiläum am 2. Oktober. Der Professor für Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie“ des Fachbereichs Psychologie der Philipps-Universität Marburg leitet BRAIN nicht nur, sondern er führt seit 1987 das „Marburger Hochbegabtenprojekt“, eine breit angelegte Längsschnittstudie zur Erforschung der Lebensumwelt von Hochbegabten, durch. Damit konnte BRAIN bei seiner Gründung bereits auf zehn Jahre wissenschaftliche Forschung zurückgreifen.
Die Beratungsstelle wird hauptsächlich vom Hessischen Kultusministerium finanziert: „Unser enger Austausch war der Garant dafür, dass in den zurückliegenden Jahren viel erreicht werden konnte“, sagt die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler, die BRAIN weiter ausbauen und auf noch tragfähigere Fundamente stellen will. BRAIN sei der zentrale Eckpfeiler aller Hochbegabtenförderung in Hessen. Die hier gewonnenen Erkenntnisse haben sich mittlerweile als wegweisend erwiesen: Schulpsychologen in allen Staatlichen Schulämtern, Lehrerfortbildungen, ein zweijähriges Grundschulprojekt und ein umfassendes Gütesiegel-Hochbegabungsprogramm, zwei Module zur Lehrerbildung sowie ein Hilfsangebot für Hochbegabte mit besonderen Problemen sind in Hessen Wirklichkeit geworden.
Aus: Website der Uni Marburg
http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2009b/1003/view
Weitere Informationen zu BRAIN im Internet: http://www.uni-marburg.de/fb04/ag-pp-ep/brain
Ansprechpartner: Prof. Dr. Detlef H. Rost, FB Psychologie
Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie, Tel. 06421 / 28-21727
„Das ist Bildungspolitik auf dem Rücken der hochbegabten Kinder“
Das Karls-Gymnasium in Stuttgart ist in diesem Jahr von einer Bewerberwelle für die Hochbegabtenklasse überrollt worden. Nach Informationen des Landesverbands Hochbegabung Baden-Württemberg e.V. wurden 52 Kinder, die sich für die Hochbegabtenklasse angemeldet hatten, nach dem Intelligenztest bei der Schulpsychologischen Beratungsstelle als hochbegabt eingestuft und zum weiteren Aufnahmeverfahren am Karls-Gymnasium zugelassen. In die Hochbegabtenklasse werden aber nur 26 Kinder aufgenommen.
Während in den vergangenen zwei Jahren die abgewiesenen Kinder wenigstens einen Platz in der Regelklasse des Karls-Gymnasiums gefunden hatten, ist dieser Ausweg in diesem Jahr versperrt. Die Erfahrungen, die die Lehrkräfte am Karls-Gymnasium in der Begabtenförderung machen, kommen natürlich allen Kindern zugute. Das Karls-Gymnasium darf in diesem Jahr nur zwei, statt wie in den zwei Jahren zuvor drei Klassen bilden, davon eine Hochbegabtenklasse. Und auch für die Regelklasse haben sich viel mehr Kinder angemeldet, als Plätze vorhanden sind.
<Der Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V. protestiert gegen diese Schulpolitik auf dem Rücken der hoch begabten Kinder. „Es kann nicht sein, dass hoch begabte Kinder sich an Gymnasien anmelden, die für ihre gute Arbeit mit begabten Kindern bekannt sind, und dann abgelehnt werden“, meinte die 1. Vorsitzende Irene Mundel. „Die Kinder sind besonders motiviert und haben ein aufwändiges Aufnahmeverfahren erfolgreich durchlaufen. So kann man mit diesen Kindern, die besonders leistungsstark und motiviert sind, nicht umgehen.“
Der LVH fordert die Schulbehörden beim Land und der Stadt Stuttgart auf, angesichts der Bewerberlage auch in diesem Jahr drei 5. Klassen am Karls-Gymnasium zu genehmigen. Darüber hinaus muss es angesichts des großen Interesses an einer Hochbegabtenklasse in Stuttgart spätestens für das Schuljahr 2009 / 10 eine weitere Hochbegabtenklasse in Stuttgart geben,“ sagte Mundel.
Das Chaos in Stuttgart wirft nach Meinung des LVH ein bezeichnendes Bild auf die Hochbegabtenförderung des baden-württembergischen Kultusministeriums. Derzeit werden in Baden-Württemberg insgesamt 166 Schülerinnen und Schüler in Hochbegabten-Klassen unterrichtet, in Klasse 5 und 6, viel zu wenig, wie der LVH meint. „Zur Zeit kommen jedes Jahr rund 110.000 Kinder in Baden-Württemberg in die 5. Klasse, von denen sind 3%, also über 3000 hochbegabt. Nur ein Bruchteil dieser Kinder kommt derzeit in den Genuss einer Förderung ihrer Begabung in einer Hochbegabtenklasse. Dazu sagte Mundel:“ Zusätzlich zu den Hochbegabtenklassen sollte sich das Land endlich auf eine Begabtenförderung an allen Schulen besinnen, die ihren Namen wirklich verdient.“
Allgemeines zum Thema Begabtenförderung:
Der LVH beklagt, dass es in Baden-Württemberg außer den Hochbegabtenklassen überhaupt keine systematische Hochbegabtenförderung an den Schulen gibt. Über 95% aller hochbegabten Kinder gehen in Normalklassen an Schulen, die oftmals keinerlei Erfahrung im Umgang mit besonders begabten Kindern haben und die sich angesichts der Hochbegabtenklassen auch nicht zuständig fühlen. Auch erweckt die Bezeichnung „Hochbegabtenklassen“ den falschen Eindruck, dass hier ein fundiertes Konzept verfolgt würde. Tatsächlich sind die beteiligten Schulen in der Konzeption weitgehend sich selbst überlassen.
Nach Ansicht des LVH kann sich das Land die Vernachlässigung des riesigen Begabungspotentials nicht mehr leisten. „Der einzige Rohstoff, den wir hier in Baden-Württemberg immer hatten, war die Pfiffigkeit und Findigkeit der Menschen, die hier lebten. Heute können wir es nicht mehr dem Zufall überlassen, der uns in der Vergangenheit Erfinder- und Unternehmergenies wie einen Daimler, einen Benz, einen Bosch, einen Fischer oder einen Würth beschert hat. Angesichts des globalen Wettkampfes sind wir es unseren Kindern und dem Standort Baden-Württemberg schuldig, dass wir alles tun, um an der Spitze auf Weltniveau mithalten zu können“, meinte Mundel.
Der LVH appellierte an das Kultusministerium, nicht nur Defizite anzugehen, wie z.B. die Sprachprobleme von Vorschulkindern, sondern die Förderung von Begabungen in den Mittelpunkt seiner Schulpolitik zu stellen. Die Fokussierung auf Defizite statt auf Stärken lege unser Bildungswesen lahm. Eine flächendeckende Begabungspolitik müsse das Stückwerk der Hochbegabtenklassen ablösen.
Der LVH fordert u.a.
„Hochbegabtenklassen in Baden-Württemberg - ein Tropfen auf den heißen Stein“
Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V. (LVH) kritisiert Schulpolitik der Landesregierung
Bericht des Kultusministeriums zu den Hochbegabtenklassen
Standort Baden-Württemberg ist gefährdet wegen Vernachlässigung des Begabungspotentials unserer Landeskinder
Als „einen Tropfen auf den heißen Stein“ hat der Landesverband Hochbegabung Baden-Württemberg e.V. (LVH) die Hochbegabtenklassen in Baden-Württemberg kritisiert. Anlass war ein Bericht, den der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau am Dienstag im Kabinett abgeben wird und über den die Stuttgarter Nachrichten bereits am Montag berichtet hatte.
Nach diesem Bericht werden derzeit in Baden-Württemberg insgesamt 166 Schülerinnen und Schüler in Hochbegabten-Klassen unterrichtet, in Klasse 5 und 6, viel zu wenig, wie der LVH meint. „Zur Zeit kommen jedes Jahr rund 110.000 Kinder in Baden-Württemberg in die 5. Klasse, von denen sind 3%, also über 3000 hochbegabt. Nur ein Bruchteil dieser Kinder kommt derzeit in den Genuss einer Förderung ihrer Begabung in einer Hochbegabtenklasse. „Die Zufriedenheit des Kultusministers mit der derzeitigen Situation ist deswegen Selbstbetrug“, meinte die 1. Vorsitzende des LVH Irene Mundel.
Der LVH beklagt, dass es in Baden-Württemberg außer den Hochbegabtenklassen überhaupt keine systematische Hochbegabtenförderung an den Schulen gibt. Über 95% aller hochbegabten Kinder gehen in Normalklassen an Schulen, die oftmals keinerlei Erfahrung im Umgang mit besonders begabten Kindern haben und die sich angesichts der Hochbegabtenklassen auch nicht zuständig fühlen. Auch erweckt die Bezeichnung „Hochbegabtenklassen“ den falschen Eindruck, dass hier ein fundiertes Konzept verfolgt würde. Tatsächlich sind die beteiligten Schulen in der Konzeption weitgehend sich selbst überlassen.
Nach Ansicht des LVH kann sich das Land die Vernachlässigung des riesigen Begabungspotentials nicht mehr leisten. „Der einzige Rohstoff, den wir hier in Baden-Württemberg immer hatten, war die Pfiffigkeit und Findigkeit der Menschen, die hier lebten. Heute können wir es nicht mehr dem Zufall überlassen, der uns in der Vergangenheit Erfinder- und Unternehmergenies wie einen Daimler, einen Benz, einen Bosch, einen Fischer oder einen Würth beschert hat. Angesichts des globalen Wettkampfes sind wir es unseren Kindern und dem Standort Baden-Württemberg schuldig, dass wir alles tun, um an der Spitze auf Weltniveau mithalten zu können“, meinte Mundel.
Der LVH appellierte an das Kultusministerium, nicht nur Defizite anzugehen, wie z.B. die Sprachprobleme von Vorschulkindern, sondern die Förderung von Begabungen in den Mittelpunkt seiner Schulpolitik zu stellen. Die Fokussierung auf Defizite statt auf Stärken lege unser Bildungswesen lahm. Eine flächendeckende Begabungspolitik müsse das Stückwerk der Hochbegabtenklassen ablösen.
Der LVH fordert u.a.